Hüttensommer 2016

Einem schneearmen Winter folgte ein verregneter Frühling. Deshalb war ich nicht erstaunt, als bei meinem ersten Besuch am 2. Juni oberhalb der Hütte noch eine geschlossene Schneedecke lag. Für einen Tag war uns das Wetter gut gesinnt, und wir kamen mit den Vorbereitungs Arbeiten zügig voran. Begleitet wurde ich von meinem treuen Freund Manu, und auch Kathleen und Diego schnupperten zum ersten Mal „Salbitluft“. Wegen des vielen Schnees verzichtete ich auf den Kontrollgang zur Brücke. Am 17. Juni transportierte der Heli in zwei Rotationen alles Nötige für den Saisonstart auf die Hütte. Von den vorherigen Tagen lag 20cm Neuschnee, das Wetter jedoch zeigte sich von seiner Sonnenseite. Kathleen, ihr Freund Diego und ich putzten in den darauf folgenden Tagen alle Ecken und erweckten die Hütte aus dem Winterschlaf. Bei dieser Gelegenheit und noch ohne Gäste, lernten meine zwei Mitarbeitenden viele Abläufe und die versteckten Ecken der Hütte kennen. In den Kletterrouten lag noch viel Schnee, den Verbindungsweg zur Brücke/Voralphütte konnte ich jedoch bereits am 19. Juni frei geben.
Das Wetter zeigte sich nun meistens von seiner sonnigen Seite, und wir hatten auch schon unter der Woche einige Gäste, die wir bewirten durften. In den ersten zwei Juli Wochen erhielten wir Unterstützung von Anna, einer Praktikantin. Sie war uns eine grosse Hilfe, und fleissig erkundete sie auch diverse Kletterrouten. Immer wieder erstaunte mich, wie viele Wanderer uns besuchten. Nicht auszudenken, wie wenig Gäste wir ohne den Verbindungsweg und die Brücke hätten. Die Hochtourenverhältnisse waren während einer langen Periode nahezu ideal, und so zog es viele Felskletterer in die Gletscherregionen. Wie schon in den vergangenen Jahren, genossen wir während der Schulferien das Familienleben und die Gemeinsamkeit auf Salbit. Die Kinder sind uns auch schon eine grosse Hilfe und erkunden die Gegend auf eigene Faust. Besonders die Besteigung des Rorspitzlis mit Jonas war ein tolles Erlebnis. Obwohl erst 10 jährig, ist er schon ein begeisterter Bergsteiger. Traditionell ist unser Ausflug zu einer anderen SAC Hütte. Zu fünft nahmen wir den Weg vom Grimsel Hospiz auf die Lauteraarhütte unter die Sohlen. Die Arven dem See entlang und auch die Blumenpracht am Wegesrand versetzten uns immer wieder in Staunen. Eindrücklich auch das Gletschertor unweit des Aufstiegs Weges. Bei Katrin und Heinz genossen wir einen wunderschönen Nachmittag. Das Wetter spielte uns einen kleinen Streich und unseren Plan, über die Fellenberglücke ins Bächlital weiter zu laufen, begruben wir früh am Morgen. Im Juli und Anfang August überschritt ich mit einem Gast das Matterhorn, eine tolles Unternehmen. Zudem nahm ich mir nochmals zwei freie Tage anfangs September und überkletterte zusammen mit meinem Bekannten Robin den „Arête du Diable“ am Mont Blanc de Tacul. Anfang September besuchte uns ein Team der Zeitschrift „Alpin“. Mit ihnen kletterte ich über die „Morgensonne“ und den Südgrat. Gespannt erwarte ich ihren Erlebnisbericht, welcher im Mai 2017 erscheinen wird.
Kathleen und Diego verabschiedeten sich Ende September. Herzlichen Dank an beide für ihre wertvolle Arbeit und ihren tollen Einsatz während des ganzen Sommers. Nie stöhnten sie über zu lange Tage, und ihre Freundlichkeit war für alle wohltuend.
Für die zwei Oktoberwochen reservierten viele Wanderer und Familien. Leider hielt dann das zu kalte Wetter viele von ihrem Salbit Vorhaben ab. Allein auf der Hütte, hatte ich viel Zeit „in mich zu gehen“ und über meine Zukunft nachzudenken. Von einem Bekannten wusste ich schon länger, dass er gerne meine Nachfolge antreten würde. Ich nutzte diese Zeit, um mich ausgiebig mit ihm zu unterhalten. Auch den Präsidenten unserer SAC Sektion zog ich zu Rate. Nach reichlichem „Vor und Zurück“ reifte in mir die Entscheidung, aufzuhören. Somit wird der Sommer 2017 mein Letzter auf Salbit sein. Es ist ein Geschenk, dass ich die Hüttenarbeit 34 Jahre verrichten durfte. Sicher werden mir die Kontakte zu den Gästen und das Einrichten und Unterhalten der Routen fehlen. Auch die wunderbare Umgebung werde ich sehr vermissen. Jedoch freue mich riesig auf alles, was ich noch erleben möchte. Vor allem auf die Zeit mit meinen Kindern und zusammen mit Beatrice. Noch habe ich genug Energie, Neues zu planen und hoffentlich Vieles zusammen mit meinen Liebsten zu erleben.
Allen, die uns im vergangenen Sommer unterstützt haben, sage ich herzlich „Danke“! Das Zusammenspiel auf der Hütte ist wie ein Uhrwerk: ohne die vielen Zahnrädchen, die ineinander greifen, geht es nicht.
Hoffentlich besucht ihr uns alle im nächsten Sommer! Ein Abschlussfest ist für den 30.9./1.10. 2017 geplant.

Bis dahin wünsche ich euch alles Gute und eine schöne Zeit,

Hans

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